Ausnahmeliste

Folgende rezeptfreien Medikamente/Wirkstoffe kann Ihnen Ihr Arzt in Ausnahmefällen verordnen

 

Schwerwiegende Erkrankungen und Standardtherapeutika zu deren Behandlung

 

Abführmittel

Indikation:
- nur zur Behandlung von Erkrankungen im Zusammenhang mit Tumorleiden, Megacolon, Divertikulose, Divertikulitis, Mukviszidose, neurogene Darmlähmung, vor diagnostischen Eingriffen, bei phosphatbindender Medikation bei chronischer Niereninsuffizienz, Opiat- sowie Opioidtherapie und in der Terminalphase
 

Acetylsalicylsäure (bis 300 mg/Dosiseinheit)

Indikation:
- nur als Thrombozyten-Aggregationshemmer in der Nachsorge von Herzinfarkt und Schlaganfall sowie nach arteriellen Eingriffen
 

Acetylsalicylsäure und Paracetamol

Indikation:
- nur zur Behandlung schwerer und schwerster Schmerzen in Co-Medikation mit Opioiden
 

Acidosetherapeutika

Indikation:
- nur zur Behandlung von dialysepflichtiger Nephropathie und chronischer Niereninsuffizienz sowie bei Neoblase


Antihistaminika

Indikation:
- nur in Notfallsets zur Behandlung bei Bienen-, Wespen-, Hornissengift-Allergien
- nur zur Behandlung schwerer, rezidivierender Urticarien
- nur bei schwerwiegendem, anhaltendem Pruritus
- nur zur Behandlung bei schwerwiegender allergischer Rhinitis, bei der eine topische nasale Behandlung mit Glukokortikoiden nicht ausreichend ist
 

Antimykotika

Indikation:
- nur zur Behandlung von Pilzinfektionen im Mund- und Rachenraum

Antiseptika und Gleitmittel

Indikation:
- nur für Patienten mit Katheterisierung 

Arzneistofffreie Injektion-/Infusions-, Träger- und Elektrolytlösungen sowie parenterale Osmodiuretika

- nur bei Hirnödem (Mannitol, Sorbitol)
 

Calciumverbindungen (mind. 300 mg Calcium-Ion/Dosiereinheit) und Vitamin D (freie oder fixe Kombination)

Indikation:
- nur zur Behandlung der manifesten Osteoporose
- nur zeitgleich zur Steroidtherapie bei Erkrankungen, die voraussichtlich einer mindestens sechsmonatigen Steroidtherapie in einer Dosis von wenigstens 7,5 mg Prednisolonäquivalent bedürfen
- bei Bisphosphonat-Behandlung gemäß Angabe in der jeweiligen Fachinformation bei zwingender Notwendigkeit
 

Calciumverbindungen (mind. 300mg Calcium-Ionen/Dosiseinheit)

Indikation:
als Monopräparate nur
- bei Pseudohypo- und  Hypoparathyreodismus
- bei Biophosphonat-Behandlung gemäß Angabe in der jeweiligen Fachinformation bei zwingender Notwendigkeit
 

Citrate

Indikation:
- nur zur Behandlung von Harnkonkrementen
 

E. coli Stamm Nissle 1917

Indikation:
- nur zur Behandlung der Colitis ulcerosa in der Remissionsphase bei Unverträglichkeit von Mesalazin
 

Eisen-(II)-Verbindungen

Indikation:
- nur zur Behandlung von gesicherter Eisenmangelanämie
 

Flohsamen und Flohsamenschalen

Indikation:
- nur zur unterstützenden Quellmittel-Behandlung bei Morbus Crohn, Kurzdarmsyndrom und HIV-assoziierten Diarrhoen

Folsäure und Folinate

Indikation:
- nur bei Therapie mit Folsäureantagonisten sowie zur Behandlung des kolorektalen Karzinoms
 

Gingko-biloba-Blätter-Extrakt (Aceton-Wasser-Auszug, standardisiert)

Indikation:
- nur zur Behandlung der Demenz
 

Iodid

Indikation:
- nur zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen
 

Iod-Verbindungen

Indikation:
- nur zur Behandlung von Ulcera und Dekubitalgeschwüren
 

Kaliumverbindungen als Monopräparate

Indikation:
- nur zur Behandlung der Hypokaliämie
 

Lactulose und Lactitol

Indikation:
- nur zur Senkung der enteralen Ammoniakresorption bei Leberversagen im Zusammenhang mit der hepatischen Enzephalopathie
 

Lösungen zur parenteralen Ernährung

Indikation:
- Lösungen und Emulsionen zur parenteralen Ernährung einschließlich der notwendigen Vitamine und Spurenelemente
 

Magnesiumverbindungen, oral

Indikation:
- nur bei angeborenen Magnesiumverlusterkrankungen
 

Magnesiumverbindungen, parenteral

Indikation:
- nur zur Behandlung bei nachgewiesenem Magnesiummangel und zur Behandlung bei erhöhtem Eklampsierisiko
 

Metixenhydrochlorid

Indikation:
- nur zur Behandlung des Parkinson-Syndroms
 

Mistel-Präparate, parenteral, auf Mistellektin normiert

Indikation:
- nur in der palliativen Therapie von malignen Tumoren zur Verbesserung der Lebensqualität
 

Niclosamid

Indikation:
- nur zur Behandlung von Bandwurmbefall
 

Nystatin

Indikation:
- nur zur Behandlung von Mykosen bei immunsupprimierten Patienten
 

Ornithinaspartat

Indikation:
- nur zur Behandlung des hepatischen (Prae-)Coma und der episodischen, hepatischen Enzephalopathie
 

Pankreasenzyme

Indikation:
- nur zur Behandlung chronischer, exokriner Pankreasinsuffizienz oder Mukoviszidose
 

Phosphatbinder

Indikation:
- nur zur Behandlung der Hyperphosphatämie bei chronischer Niereninsuffizienz und Dialyse
 

Phosphatverbindungen

Indikation:
- bei Hypophosphatämie, die durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann
 

Salicylsäurehaltige Zubereitungen (mindestens 2 Prozent Salicylsäure)

Indikation:
- in der Dermatotherapie als Teil der Behandlung der Psoriasis und hyperkeratotischer Ekzeme
 

Synthetischer Speichel

Indikation:
- nur zur Behandlung krankheitsbedingter Mundtrockenheit bei onkologischen oder Autoimmun-Erkrankungen
 

Synthetische Tränenflüssigkeit

Indikation:
- bei Autoimmun-Erkrankungen (Sjögren-Syndrom mit deutlichen Funktionsstörungen des Grades 2, Epidermolysis bullosa, occulärem Pemphigoid), Fehlen oder Schädigung der Tränendrüse, Fazialisparese oder bei Lagophtalmus
 

Vitamin K als Monopräparate

Indikation:
- nur bei nachgewiesenem, schwerwiegendem Vitaminmangel, der durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann
 

Wasserlösliche Vitamine auch in Kombinationen

Indikation:
- nur bei der Dialyse
 

Wasserlösliche Vitamine, Benfotiamin und Folsäure als Monopräparate

Indikation:
- nur bei nachgewiesenem, schwerwiegendem Vitaminmangel, der durch eine entsprechende Ernährung nicht behoben werden kann (Folsäure: 5 mg/ Dosiseinheit)
 

Zinkverbindungen als Monopräparat

Indikation:
- nur zur Behandlung der enteropathischen Akrodermatitis und durch Haemodialysebehandlung bedingten nachgewiesenen Zinkmangel
- zur Hemmung der Kupferaufnahme bei Morbus Wilson
 

Arzneimittel zur sofortigen Anwendung

- Antidote bei akuten Vergiftungen
- Lokalanaesthetika zur Injektion
- Apothekenpflichtige, nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel, die im Rahmen der ärztlichen Behandlung zur sofortigen Anwendung in der Praxis verfügbar sein müssen, können verordnet werden, wenn entsprechende Vereinbarungen zwischen den Verbänden der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigungen getroffen werden
 

Topische Anästhetika und / oder Antiseptika

Indikation:
- nur zur Selbstbehandlung schwerwiegender generalisierter blasenbildender Hauterkrankungen (z.B. Epidermolysis bullosa, hereditaria; Pemphigus)
 

L-Methionin

Indikation:
- nur zur Vermeidung der Steinneubildung bei Phosphatsteinen bei neurogener Blasenlähmung, wenn Ernährungsempfehlungen und Blasenentleerungstraining erfolglos geblieben sind
 

Levocarnitin

Indikation:
- nur zur Behandlung bei endogenem Carnitinmangel
 

Dinatriumcromoglycat (DNCG)-haltige Arzneimittel (oral)

Indikation:
- nur zur symptomatischen Behandlung der systemischen Mastozytose
 

Harnstoffhaltige Dermatika mit einem Harnstoffgehalt von mindestens 5 Prozent

Indikation:
- nur bei gesicherter Diagnose bei Ichthyosen, wenn keine therapeutischen Alternativen für den jeweiligen Patienten indiziert sind